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Lebensweise des Luchs

Luchse sind überwiegend nachtaktiv und leben als Einzelgänger in ihrem Revier. Sie treffen sich nur zur Ranzzeit im Februar und März. Die meisten Begegnungen finden in der zweiten Märzhälfte statt. Das Paarungsverhalten und die Kopulation lösen den Eisprung des Weibchens aus. Nach einer Tragzeit von ca. 70 Tagen suchen sich die Weibchen einen geschützten Wurfplatz und bringen dort meistens zwei Junge zur Welt. Als Wurfplätze dienen schwer zugängliche Orte im Dickicht oder in steilem Gelände wie Felsnischen oder Wurzelstöcke.

Junge Luchse öffnen nach 12 bis 17 Tagen ihre Augen. Nach wenigen Wochen werden sie von der Mutter in ein anderes Lager gebracht, möglicherweise weil die Umgebung des schwer zugänglichen Wurfplatzes Gefahren für den mobil werdenden Nachwuchs birgt. Während der Jungenaufzucht nutzt die Luchsin nur einen kleinen Teil ihres eigentlichen Streifgebiets zur Jagd, um in der Nähe der Jungen zu bleiben. Mit zunehmender Mobilität der Jungen vergrößert sie ihr Jagdgebiet wieder. Im Alter von 6 bis 8 Wochen verbringen die Jungen bereits die meiste Zeit draußen bei ihrer Mutter und beginnen an den Rissen der Mutter Fleisch zu fressen. Der Vater der Jungen beteiligt sich nicht direkt an der Aufzucht, sorgt aber möglicherweise dafür, dass sich andere Luchse vom Revier der Mutter fernhalten.

Mit dem Herbst beginnt eine sehr gefährliche Zeit für die jungen Luchse. Bis zum nächsten Frühling dauert es bis ihr Gebiss voll entwickelt ist und sie größere Beutetiere reißen können. Solange sind sie von der Beute ihrer Mutter abhängig und verhungern, wenn sie sie verlieren. Verwaiste Jungtiere tauchen auf der Suche nach Nahrung häufig in der Nähe von Siedlungen auf. Viele der jungen Luchse überleben ihren ersten Winter nicht.

Im Frühling trennen sich die jungen Luchse von ihrer Mutter. Sie wandern ab und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Die zurückgelegten Distanzen sind sehr unterschiedlich und hängen zum Beispiel vom Gelände, vom Lebensraum und der Verteilung der Artgenossen ab. Männliche Tiere wandern meistens weiter als weibliche. Luchse suchen sich ihr neues Revier im Anschluss an ein bereits besetztes Gebiet, um sich fortpflanzen zu können. Wenn Luchse innerhalb eines Jahres kein geeignetes, freies Wohngebiet finden, verringern sich ihre Überlebenschancen stark. Nur etwa die Hälfte der Tiere übersteht dieses Wanderjahr.

Reviergrößen der Luchse

Als reviertreue Einzelgänger dulden sie keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen in ihrem Wohngebiet. Daher hat die Größe der individuellen Wohngebiete einen unmittelbaren Einfluss auf die Bestandesschätzung. In Mitteleuropa beanspruchen Luchse Wohngebiete von 50 – 300 km², wobei die Wohngebiete der Männchen meist deutlich größer sind als die der Weibchen. In der Tabelle sind beispielhaft verschiedene Luchsgebietsgrößen aufgeführt. Die Größen variieren stark und hängen vor allem vom Gelände, dem Wohngebiet benachbarter Artgenossen und dem Nahrungsangebot ab.

Tabelle: Luchsgebietsgrößen aus verschiedenen Untersuchungen in Europa. Die Daten stammen aus dem Werk „Der Luchs – Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft“ von U. Breitenmoser, Band 2 S.270 (2008).

Das Kern- bzw. Wohngebiet eines Luchses ist der Bereich, der regelmäßig begangen wird, in dem gejagt und auch die Jungen aufgezogen werden. Von der Kernzone aus werden auch Streifzüge unternommen, die über die Grenze hinausgehen und nicht der Jagd, sondern der Kontaktaufnahme mit benachbarten Artgenossen dienen. Dieses Verhalten ist besonders bei den Kudern ausgeprägt.

Weitere Informationen anderer Luchsprojekte zur Lebensweise finden Sie in der rechten Leiste unter "Weiterführende Information".

Quellen:
Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten (2008): Der Luchs - Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft. Salm Verlag, Wohlen/Bern

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