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Jagdverhalten und Nahrung des Luchses

Der Luchs ist ein Pirschjäger, der meist während der ersten Nachthälfte jagt. Er lässt seine Beute entweder möglichst nahe an seine Deckung herankommen oder pirscht sich heran, um sie dann mit einem kurzen, überraschenden Angriff und durch einen gezielten Biss, meist in die Kehle, zu töten. Auf diese Weise kann er selbst Beutetiere in der Größe von weiblichen Hirschen überwältigen. In Slowenien wurde die Technik des Kehlbisses von Luchsen näher untersucht, lesen Sie hierzu den Artikel Kehlbiss.
Bei der Jagd verlassen sie sich auf ihre scharfen Augen und das feine Gehör. Die Hauptbeute der Luchse in Europa bildet das Reh. Dort wo Gämsen vorkommen, werden sie gegenüber dem Reh bevorzugt bejagt. Auch Füchse, Hasen und Marder stehen auf dem Speiseplan, ihr Anteil an der Nahrungsmenge fällt aber meist gering aus. Dies gilt auch für Schafe und Ziegen.

Oben: Geiß (weibliches Reh)

Rechts: Gamsbock

 

Luchse verzehren ihre Beute dort, wo sie sie gerissen haben und kehren häufig in den darauf folgenden Nächten dorthin zurück, um weiter an der Beute zu fressen. Je nach Größe frisst der Luchs entweder wenige Stunden oder bis zu einer Woche an einem Riss. Oftmals verdeckt der Luchs seine Beute mit Laub, Gras oder Schnee, wenn er sie verlässt. Die typischen Merkmale eines Luchsrisses werden in der Rubrik Luchsnachweise näher beschrieben.

Ein ausgewachsener Luchs frisst im Mittel 1,5 kg Fleisch pro Nacht, was etwa einem Reh pro Woche entspricht. Trotzdem kann die tatsächlich gefressene Menge in einer Nacht von diesen Durchschnittswerten erheblich abweichen, wenn ein Luchs längere Zeit gehungert hat. Außerdem schwankt der Nahrungsbedarf je nach Jahreszeit und Zahl der Jungen.

Um den Überraschungseffekt zu wahren und damit seinen Jagderfolg sicher zu stellen, zieht der Luchs nach einem erfolgreichen Riss in der Regel in andere Teile seines Reviers weiter. Aus diesem Grund liegen zwei aufeinanderfolgende Risse räumlich meist recht weit auseinander. Kann ein Weibchen im Juni zu Beginn der Jungenaufzucht keine allzu großen Streifzüge unternehmen, so kann es vorübergehend zu einer Konzentration von Rissen auf kleinerer Fläche kommen.

Nahrungsmenge

Untersuchungen im Bayerischen Wald, in der Tschechoslowakei und in den Schweizer Alpen ergaben, dass der Hauptbeuteanteil der Luchse beim Schalenwild und dort insbesondere beim Rehwild liegt. Im Zeitraum von 1974 bis 1984 wurden im Bayerischen Wald, wo es viel Reh- und Rotwild gibt, 103 Luchsrisse untersucht. Der Schalenwildanteil lag bei 88 Tieren, mit 71 Rehen und 17 Stück Rotwild.
Die untere Tabelle stammt von Breitenmoser und Haller, die im Zeitraum zwischen 1983 und 1989 insgesamt 111 Beutebelege untersucht haben. Im Schweizer Jura, das landschaftlich dem Schwarzwald ähnelt, entfielen 81,6% der Beute auf das Schalenwild.

Tabelle: Anteil der Luchsbeute im Schweizer Jura (38 Risse) und den Schweizer Nordalpen (73 Beutebelege, d.h. Rissfunde und Exkremente). Aus: "Der Luchs – Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft" von U. Breitenmoser (2008).

Eine Luchspopulation reißt in einem Jahr durchschnittlich 0,6-1,2 Rehe/ km². Im Vergleich dazu betrug die jährliche Jagdstrecke der Jäger zwischen den Jahren 2000 und 2010 3,9 Rehe/km² im Schwarzwald und 4,5 Rehe/ km² auf der Schwäbischen Alb, etwa das Vierfache.  

Verhalten gegenüber Nutztieren

Nutztiere sind als Nahrung für den Luchs eher unbedeutend. Trotzdem kommt es vor, dass Luchse zum Beispiel Schafe oder Ziegen reißen. Dies geschieht vor allem in Regionen, in denen Großraubtiere lange Zeit abwesend waren und Nutztiere unbehütet weiden. Aus Deutschland sind nur vereinzelte Übergriffe auf Schafe bekannt.

Quellen:
Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten (2008): Der Luchs - Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft. Salm Verlag, Wohlen/Bern

Roland Kalb (2007): Bär Luchs Wolf - Verfolgt Ausgerottet Zurückgekehrt. Leopold Stocker Verlag, Graz

Beeinflusst der Luchs Dichte und Verhalten seiner Beute?

  • Grossraubtiere in Baden-Württemberg
Die Frage danach, ob der Luchs die Dichte und auch das Verhalten seiner Beute beeinflusst, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Die Räuber-Beute-Dynamik ist nur ein kleiner Ausschnitt in einem sehr komplexen Wirkungssystem, das die Beute beeinflusst. Folgender Artikel gibt einen kleinen Einblick in dieses komplizierte Wirkungsgeschehen. weiterlesen...
Artikel erschienen am: 07.02.2013 - Kommentare (0)

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