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Portrait - der Eurasische Luchs

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) und seine drei weiteren kleineren Artverwandten (Kanadaluchs, Rotluchs und Pardelluchs) gehören augenscheinlich den Katzen an. Eine klare Abgrenzung und systematische Einordnung der Gattung Lynx bereitete jedoch lange Zeit Schwierigkeiten. Was alle Luchse gemein haben, sind ihre Hochbeinigkeit, der Stummelschwanz, die Ohrpinsel und das reduzierte Gebiss (s. unten).

Die Beine haben etwa die Länge von der Schulter bis zum Becken, weswegen die Silhouette häufig als "quadratisch" beschrieben wird. Die Vorderbeine sind ca. 20% kürzer als die Hinterbeine. Die Proportion des Luchses zeichnet ihn nicht als schnellen, ausdauernden Läufer aus.

Die längeren Hinterbeine verleihen ihm eine enorme Sprungkraft und die großen Pfoten, deren Auflagefläche im Winter zusätzlich durch dichte Behaarung verbreitert wird, vermindert ein Einsinken im Schnee. Die Flächenbelastung einer Luchspfote ist mit 30-60 g/cm² deutlich geringer als etwa die der kleinen Wildkatze (Felis silvestris) oder des Amurtigers (Panthera tigris altaica), was die Fortbewegung im tiefen Schnee erleichtert.

Warum Luchse einen Stummelschwanz von nur ca. 20cm Länge haben, ist bisher ungeklärt. Ein langer Schwanz, wie es bei anderen Katzen üblich ist, dient vor allem dazu, die Balance zu halten und bei schnellen Bewegungen steuern zu können. Von kurzen Schwänzen wird behauptet, dass sie hauptsächlich der sozialen Kommunikation dienen. Breitenmoser (2008) schreibt dazu: "Manchmal ist der Selektionsdruck, der die Entwicklung des Merkmals begünstigte, nicht mehr offensichtlich oder das Merkmal entstand zufällig und blieb erhalten, weil daraus kein Nachteil erwuchs".

Ein weiteres luchstypisches Merkmal sind die Ohrpinsel, die beim Eurasischen Luchs besonders schön ausgeprägt sind. Zusammen mit der deutlichen Schwarzfärbung ist eine Signalfunktion möglich, die der gegenseitigen Verständigung dienen könnte. Die Ohrpinsel könnten aber auch als hoch sensible Antennen dienen, mit denen Luchse die Windstärke und vor allem auch die Windrichtung bestimmen können. Rehe, die Hauptbeute der Luchse, haben einen besonders gut ausgeprägten Geruchssinn und können zudem viel schneller laufen, weshalb es als Schleichjäger unerlässlich ist, die Windrichtung abzuschätzen und bis zum letzten Sprung unerkannt zu bleiben.

Die Einordnung der Gattung Luchs ist auch über das Gebiss möglich. Luchse haben 28 Zähne, zwei weniger als andere Katzen. Die Reduktion der Zähne im Vergleich zum ursprünglichen Säugergebiss mit 44 Zähnen gilt nach Breitenmoser (2008) als Zeichen einer zunehmenden Spezialisierung. Katzen gelten generell als die am höchsten entwickelten und spezialisiertesten Raubtiere. So gesehen wäre der Luchs die am weitesten entwickelte Landraubtierart überhaupt. Doch jede Spezialisierung hat ihren Preis, sie bedeutet auch den Verlust an ökologischer Reaktionsbreite, d.h. der Fähigkeit, auf rasche Veränderungen der Umwelt reagieren zu können (ebd.). 

Quellen:
Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten (2008): Der Luchs - Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft. Salm Verlag, Wohlen/Bern

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