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Die Rückkehr des Luchses?

Luchse lebten einst nahezu flächendeckend in Europa, bevor sie - als Nahrungskonkurrent wahrgenommen - seit dem Mittelalter verfolgt und getötet wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der letzte deutsche Luchs zur Strecke gebracht. Überlebt hat der eurasische Luchs nur in schwach besiedelten Gebieten der Karpaten, in Russland und Skandinavien. Auch in Baden-Württemberg war der Luchs bis zu seiner Ausrottung beheimatet. Nach mehr als einem Jahrhundert Abwesenheit werden Luchse seit den 1970er Jahren in verschiedenen Regionen Europas durch Ansiedlungsprojekte wieder heimisch. In Baden-Württemberg gab es keine Ansiedlungsprojekte aber einzelne Tiere aus der Schweiz tauchen hier gelegentlich als Einzelgänger auf.

Insbesondere männliche Luchse können auf der Suche nach neuem Lebensraum weite Distanzen zurücklegen, deshalb ist die Zuwanderung aus den Nachbarländern möglich. Zu sicheren Luchsnachweisen kam es im Oberen Donautal (2005 bis 2006), bei Laichingen (Todfund 2007), in der Wutachschlucht (2013) und im Südschwarzwald (2014 und 2015). Die Regel bildeten dabei vereinzelte Nachweise, die für durchwandernde Luchse sprechen. Die Herkunft der Luchse lässt sich nicht immer klären, es konnten aber schon mehrfach Zuwanderungen aus dem Schweizer Jura nachgewiesen werden. Auch weiterhin ist mit einem sporadischen Auftauchen bzw. Durchwandern in ganz Baden-Württemberg zu rechnen.

Mit der Besenderung des Kuders "Friedl" konnten seit April 2015 aussagekräftige Daten über Raumnutzung und Nahrungsaufnahme gesammelt werden, diese liefern insbesondere Jägerinnen und Jägern und Landwirtinnen und Landwirten wertvolle Erfahrungen im Umgang mit durchwandernden Luchsen. Mehr Informationen über Friedl erhalten Sie im Bereich Monitoring.

Der Luchs ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) eine „besonders“ und gleichzeitig „streng“ geschützte Tierart (§ 7 Abs. 2 Nrn. 13 und 14 BNatSchG). Er unterliegt, im Unterschied zum Wolf, gleichzeitig dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont.

Eine mögliche Wiederansiedlung?

Heute gibt es in einigen Ländern Bemühungen, den Luchs wieder einzubürgern. Insbesondere dann, wenn eine natürliche Zuwanderung nicht möglich ist, kann die "aktive Wiederansiedlung" im Rahmen eines kontrollierten Aussetzungsprojektes eine Möglichkeit zur Rückkehr des Luchses sein. Wiederansiedlungsprojekte gab es unter anderem im Schweizer Jura, in den Schweizer Alpen, den Vogesen, dem Böhmerwald, dem Harz und in Slowenien. In Baden-Württemberg wurde bisher kein solches Projekt durchgeführt. Obwohl es keine Luchspopulation im Land gibt, ist unbestritten, dass dem Schwarzwald als großes Mittelgebirge in Zentraleuropa eine wichtige Rolle für den Ausbau, die Vernetzung und den Erhalt der mitteleuropäischen Luchspopulation zukommt. Aus diesem Grund wird eine aktive Wiederansiedlung von verschiedenen Verbänden wie zum Beispiel der Luchsinitiative e.V. gefordert. Die aktive Ansiedlung von Luchsen ist jedoch weder Konsens in der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf noch wird sie von Seiten der Landesregierung forciert.

Das Aussetzen von Tieren wird stets als letztes Mittel angesehen, um eine Population zu erhalten und setzt eine Vielzahl von Untersuchungen voraus. So müssen die Eignung des Lebensraumes sowie die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung nachweislich gegeben sein. Beides wurde im Rahmen des Forschungsprojektes "Luchs in Baden-Württemberg" in den Jahren 2008 bis 2011 untersucht.

Die Untersuchung ergab, dass in Baden-Württemberg ausreichend Lebensraum für bis zu 100 Tiere vorhanden ist. Die geeigneten und zusammenhängenden Flächen sind in der nebenstehenden Karte grün dargestellt. Diese markierten Bereiche ähneln in ihrer Habitatstruktur den vom Luchs besiedelten Gebieten im Schweizer Jura. Der Aufbau einer Luchspopulation in Baden-Württemberg durch die vereinzelt zuwandernden Tiere aus der Schweiz ist eher unwahrscheinlich. Dies liegt zum einen an der starken Lebensraumzerschneidung am Hochrhein und zum anderen an illegalen Tötungen von Luchsen in der Schweiz. Je nachdem von welchen Verlustraten durch Verkehr und illegale Tötungen man ausgeht, müssten entsprechend der Untersuchung über einen längeren Zeitraum zwischen 12 bis 30 adulte Luchse ausgesetzt werden, um eine Luchspopulation im Land aufzubauen.


Geeignetes Luchshabitat in BW

Für den Fall einer aktiven Wiederansiedlung ist die gesellschaftliche Akzeptanz des Luchses Voraussetzung für ein Gelingen. Bestehende Vorbehalte und Befürchtungen von Seiten der Landwirtschaft, Nutztierhaltung und Jagd müssen berücksichtigt werden. Die Einbindung aller Interessensparteien ist deshalb unerlässlich. Mehr hierzu lesen Sie unter Konfliktanalyse.

Wiederansiedlungsprojekte müssen in jedem Fall internationalen Naturschutzstandards (IUCN-Kriterien) entsprechen und wissenschaftlich begleitet werden. Insbesondere müssen durch ein entsprechendes Monitoring die Entwicklung der Luchspopulation, aber auch die der Beutetiere beobachtet werden. Als übliche Praxis hat sich hier die Ausstattung der Tiere mit Halsbandsendern etabliert. Über ein Halsband kann jederzeit der Standort des Tieres bestimmt werden und somit wichtige Rückschlüsse z.B. über den Einfluss auf die Beutetiere gezogen werden.

Für eine denkbare Ansiedlung im Schwarzwald könnten sowohl Luchse aus den Populationen in der Schweiz oder aus Osteuropa in Frage kommen. Die sorgfältige Auswahl von Tieren auch unter genetischen Gesichtspunkten ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der über den langfristigen Erfolg eines solchen Projektes entscheidet. Abzuklären sind auch die Rahmenbedingungen einer aktiven Wiederansiedlung, d.h. ob unter dem Aspekt des Schutzes der Spenderpopulation eine ausreichende Anzahl an Tieren für eine Wiederansiedlung zur Verfügung stehen und ob die Voraussetzungen im Zielgebiet eine wiederholte Nachbesetzung aufgrund von Verlusten erforderlich machen. Die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für das Projekt einer Wiederansiedlung von Luchsen in Baden-Württemberg sind demnach umfangreich.

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