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Autor: Micha Herdtfelder Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Ba-Wü | Datum: 16.04.2015 | Kommentare: 0

Luchs im Schwarzwald besendert

Die Besenderung des Luchses gibt Aufschluss über Lebensraumnutzung und Verhalten des Tieres. So können erste Erfahrungen mit dem Umgang von Großraubtieren gemacht werden.

PRESSEMITTEILUNG vom 16.04.2015
Gemeinsame Pressemitteilung von FVA, LJV, ÖJV, BLHV, NABU und Luchsinitiative e.V.


"Seltener Gast im Schwarzwald: Erstmals Luchs in Baden-Württemberg unter genauer Beobachtung". So lautete der Titel der Pressemitteilung, die FVA, LJV, ÖJV, BLHV, NABU und Luchsinitiative e.V. am 16.04.2015 herausgegeben haben.

Nachdem in den ersten Monaten des Jahres immer wieder sichere Luchsnachweise von der FVA bestätigt wurden, konnte ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Woche nach Ostern einen Luchs im mittleren Schwarzwald einfangen und besendern. „Wir konnten den männlichen Luchs bei seiner Rückkehr an das von ihm getötete Beutetier betäuben, untersuchen und anschließend mit einem Senderhalsband wieder in die Freiheit entlassen“, berichtet Micha Herdtfelder von der FVA. Am Ostersonntag bereits konnte dem Luchs ein getötetes Lamm zugeordnet werden. Der an den Riss zurückkehrende Luchs konnte in der darauffolgenden Nacht mittels Fotofalle identifiziert werden. Nur wenige Tage später, wurde das männliche Tier dann bei der Rückkehr an einen weiteren Riss betäubt und besendert. Dieser Luchs sendet nun bei seinen Streifzügen durch den Schwarzwald Aufenthaltsdaten an die Forscher. Damit kann u.a. die Fläche festgestellt werden, die dieser Luchs im Schwarzwald als Lebensraum nutzt, welche Tiere er bevorzugt erbeutet und ob er längerfristig im Schwarzwald bleiben wird. In benachbarten Ländern sind die Reviere von Luchsen häufig mehrere hundert Quadratkilometer groß. „Ohne Halsbandsender ist es fast unmöglich, die Gewohnheiten dieser großräumig umherstreifenden Tiere zu untersuchen“, so Herdtfelder. Um die Herkunft des Luchses festzustellen, wurden beim Fang DNA-Proben genommen, die nun mit den Daten aus dem Luchsvorkommen im Schweizer Jura abgeglichen werden. Dort wurden vor über 30 Jahren in einem Auswilderungsprojekt Luchse wieder angesiedelt. Seitdem besuchen immer wieder einzelne männliche Tiere den benachbarten Schwarzwald.
Obwohl Luchse Einzelgänger sind, bleiben sie nur ungern ohne Anschluss an ein benachbartes Tier über längere Zeit in einer Region. Auch in diesem Fall gehen die Experten davon aus, dass der Luchs mittelfristig wieder abwandern wird. Ein Ziel der Besenderung ist daher, die Wanderrouten der Luchse nachvollziehen zu können.
Welche Routen die Einzeltiere, die in der Vergangenheit aus der Schweiz nach Baden-Württemberg eingewandert sind, zurückgelegt haben, ist für die Vernetzung von Lebensräumen von großer Bedeutung. Diese Wildtierkorridore sind nicht nur für Luchse von großer Bedeutung.

Wie auch bei dem letzten in Baden-Württemberg nachgewiesenen Luchskuder im Jahr 2013, hat auch bei diesem Tier der Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. die Patenschaft übernommen. „Wir Jäger wollen damit ein Zeichen für die Akzeptanz von zuwandernden Luchsen setzen“, sagt Klaus Lachenmaier vom LJV. „Gerade für uns Jäger bietet die Besenderung die bisher einmalige Gelegenheit, das Verhalten dieser Tiere zu studieren“. Dass es überhaupt zu einer spürbaren Veränderung des Verhaltens der anderen Wildtiere kommt, wäre laut Lachenmaier auch bei mehreren Luchsen in einer Region eher unwahrscheinlich.
Doch entstehen im Zusammenhang mit diesem Luchs auch Sorgen. „Wenn Luchse Schafe und Ziegen töten, muss gehandelt werden. Sollte sich dieser Luchs auf Nutztiere spezialisieren, fordern wir wirksame Maßnahmen, die weitere Übergriffe auf Nutztiere verhindern“, äußert Michael Nödl vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband. Der besenderte Luchs riss nachweislich zwei Lämmer hintereinander. Erfahrungen aus anderen Gegenden mit Luchsbesiedelung zeigen, dass Luchse Wildtiere als Beute grundsätzlich vorziehen. Dennoch kommt es immer wieder zu Einzelfällen, in denen Luchse Gefallen an den Nutztieren finden. In der Regel reicht es hier die Herde auf eine andere Fläche umzustellen. Auch Warnblinklampen, wie sie an Baustellen installiert werden, kamen zur vorrübergehenden Abschreckung bereits erfolgreich zum Einsatz. Auch in Gebieten mit größerer Luchspopulation bezogen sich solche Fälle jedoch nur auf einige wenige. Grundsätzlich gelten Luchse nicht als Wiederholungstäter bei Nutztierübergriffen. Ausgeklügelte Herdenschutzmaßnahmen von Nutztieren sind zum Schutz vor dem Luchs, im Gegensatz zur Wolfsabwehr, normalerweise nicht nötig. Eine Ausnahme stellen einzelne Wildgatter dar, die mit hohen Zäunen und Stromführung gegen das Überspringen und Überklettern von Luchsen gesichert werden mussten.
Im Falle des besenderten Luchses im Schwarzwald wirken vermutlich der Fang und die Besenderung bereits vergrämend und es wird erwartet, dass das Tier keine weiteren Übergriffe auf die bereits betroffene Schafherde mehr unternimmt. Ob sich der Luchskuder in Zukunft generell von Nutztieren fern hält, ist ein weiterer Aspekt, der mittels Übermittlung der Aufenthaltsdaten beobachtet werden soll.

Im Jahr 2007 wurde von verschiedenen Jagd- und Naturschutzverbänden gemeinsam ein freiwilliger privater Entschädigungsfonds eingerichtet, der nun in diesem Fall erstmals zum Einsatz kommt. „Wir hoffen jetzt natürlich, dass dieser Luchs nicht vom Naturschutz zum Anlass genommen wird, zu seinem angeblichen Schutz neue Verbote und Bewirtschaftungseinschränkungen gegen die Grundeigentümer auszusprechen“, so Michael Nödl. Auch Andre Baumann, Vorsitzender des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (NABU) betont, dass Schaf- und Ziegenhalter bei Luchsschäden nicht alleine gelassen werden dürfen.

Trotz dieser Überlegungen und Bedenken ist ein Luchs im Schwarzwald für sehr viele Bürgerinnen und Bürger eine spannende und faszinierende Tierart. Durch einen Luchs erscheint der Schwarzwald ein Stück wilder. Insbesondere der NABU sowie die Luchs-Initiative Baden-Württemberg heißen den Luchs willkommen. Beide setzen sich schon seit Jahrzehnten für die Rückkehr der großen Katze ein. „Luchse gehören zum Schwarzwald wie der Bollenhut“ sagt der Vorsitzende der Luchs-Initiative, Peter Willmann. Eine spannende Schwarzwaldgeschichte mit dem Hauptdarsteller Luchs hat begonnen.

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Luchs und Wolf in Baden-Württemberg, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Schwäbischer Wald