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Zuwanderung des Wolfes

Der Wolf war in weiten Teilen Mitteleuropas Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Lediglich im heutigen Ostpolen und im italienischen Apennin hielten sich vereinzelte Vorkommen. Polnische Wölfe wurden seit den 1950er Jahren hin und wieder im heutigen Ostdeutschland gesichtet, aber erst im Jahr 2000 wurden Jungtiere in der sächsischen Lausitz nachgewiesen. Seit dieser Zeit hat sich die Lausitz, sowohl auf sächsischer als auch auf brandenburgischer Seite, zu der ersten Wolfsregion in Deutschland entwickelt. Aktuell leben dort zwischen zehn und zwölf Wolfsfamilien bzw. -paare. In den vergangenen Jahren haben sich die Wölfe auch in weitere Bundesländer ausgebreitet, so dass es heute auch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen Wolfsfamilien gibt (Stand Januar 2015). Für aktuelle Informationen über Vorkommen und Verbreitung der Wölfe deutschlandweit klicken sie hier.

Junge Wölfe verlassen ihr Rudel in der Regel im Alter von zwei Jahren, um sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium zu begeben. Dabei legen sie oft mehrere hundert Kilometer zurück. Die Querung von Flüssen, Straßen oder auch besiedelten Bereichen stellt für Wölfe dabei kein generelles Hindernis dar. 


Wolfsverbreitung um Deutschland (nach Salvatori & Linnell 2005, ergänzt durch FVA 2013; Gebiete, aus denen keine aktuellen Angaben vorlagen, wurden schraffiert)

Kluth & Reinhardt stellen in ihrer Arbeit Leben mit Wölfen (BfN-Skript, 2007) fest, dass der Mittelgebirgszug von Polen und der Slowakei über Tschechien und Südsachsen bis nach Bayern und Thüringen eine ausgezeichnete Migrationsroute für Wölfe aus Osteuropa darstellt. Demzufolge sind auch in Ostbayern und Thüringen jederzeit weitere Wölfe aus dem Osten zu erwarten. Ebenfalls ist von den westlichen Ausläufern der Karpatenpopulation in der Slowakei eine Einwanderung von Wölfen über Österreich oder Tschechien nach Bayern möglich.

Auch die Entwicklung der italienisch-französischen Population in den letzten zehn bis 15 Jahren macht eine Einwanderung von Wölfen nach Süddeutschland immer wahrscheinlicher. Insbesondere in Bayern, Baden-Württemberg, im Saarland und in Rheinland-Pfalz kann jederzeit mit einzelnen Wanderwölfen aus dieser südlichen Population gerechnet werden.

Im Apennin leben heute schätzungsweise 800 Tiere. Von dort findet derzeit die natürliche Wiederbesiedelung der Westalpen statt: In den Seealpen (Italien/Frankreich) wurden erstmals 1992 zuwandernde Wölfe registriert. Heute leben dort ca. 40 Rudel, deren Nachwuchs sich insbesondere nach Nordosten in die Schweiz ausbreitet. In der Ostschweiz, Kanton Graubünden, gab es im Jahre 2012 den ersten gesicherten Nachweis von dort geborenen Jungtieren. Auch in den Vogesen werden schon seit geraumer Zeit gelegentlich Wölfe aus dem Süden beobachtet: Im Jahr 1994 wurde dort ein Wolf italienischer Abstammung geschossen. Nach etlichen nicht überprüfbaren Wolfssichtungen wurde im Frühjahr 2011 der Fotobeleg eines männlichen Wolfes in den Südvogesen erbracht. Im Winter 2011/2012 gesellte sich eine Fähe dazu. Der erste Nachwuchs und somit die erste Rudelgründung in den Vogesen wurde im Sommer 2013 bestätigt.

Wolfsnachweise in DeutschlandWolfsnachweise in Deutschland, Stand Juli 2015 (Darstellung: F. Böcker, FVA)

Die Rückkehr einzelner Wölfe nach Baden-Württemberg ist realistisch und tatsächlich jederzeit zu erwarten. So verwundert das Auftauchen einzelner Wölfe aus wissenschaftlicher Sicht nicht, denn es gibt Wölfe bereits in anderen Bundesländern, der benachbarten Schweiz, in Italien, in Österreich, Polen und in sehr geringer Zahl in den Vogesen. Wie die beiden Totfunde im Jahr 2015 bestätigen, ist eine Rückkehr der Wölfe nach Baden-Württemberg vor allem aus der Schweiz zu erwarten, wo seit Jahren vereinzelte Wanderwölfe aus italienisch-französischer Population leben und im Jahr 2012 die erste Rudelbildung nachgewiesen wurde (Kanton Graubünden). Die Totfunde an der A5 vom Juni 2015 und der A8 im November 2015 bestärken diese These, die Herkunft beider Tiere aus der alpinen Population konnte durch genetische Untersuchungen des Forschungsinstituts Senckenberg bestätigt werden.

Im Monitoringjahr 2014/2015 (01.05.2014 - 30.04.2015) konnten in Deutschland insgesamt 31 Wolfsrudel, acht Paare und sechs territoriale Einzeltiere in sechs Bundesländern nachgewiesen werden. (Stand 2015, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland). Alle Vorkommen liegen aus biologischer Sicht nah an Baden-Württemberg.

Für den Fall einzelner Wolfsvorkommen in Baden-Württemberg ist ein Handlungsleitfaden Wolf erstellt worden.

Quellen:
Kluth, G., Rheinhard, I. (2007): Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skript 201. Bundesamt für Naturschutz. Bad Godesberg
Linnell, J., Salvatori, V. & Boitani, L. (2007): Guidelines for Population Level Management Plans for Large Carnivores. Europe, L. C. I. f. Istituto di Ecologia Applicata, Rome: 78
Salvatori, V. & J. Linnell (2005): Report on the conservation status and threats for wolf (Canis lupus) in Europe. Councel of Europe. PVS/Inf (2005) 16.

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