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Jagd

Im Folgenden wird dargelegt, wie einige Jägerinnen und Jäger die Diskussion um Raubtiere erleben. Diese Sichtweisen von Jägerinnen und Jägern wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Freiburg, Professur für Forst- und Umweltpolitik (Lüchtrath 2011, s.u.) erhoben. Die folgende Zusammenfassung ist nicht vollständig und ausdrücklich nicht für alle Jägerinnen und Jäger repräsentativ, sie entspricht der Meinung einzelner Interviewpartner. Es empfiehlt sich daher zum besseren Verständnis das direkte Gespräch mit Jägerinnen und Jägern zu diesem Thema zu suchen.

Für einige der befragten Jägerinnen und Jäger stellt es einen materiellen Verlust dar, wenn ein Raubtier Wild reißt. Zwar wird von Nicht-Jagenden oft eingewandt, dass Wild, das sich im Revier einer Jägerin bzw. eines Jägers aufhält diesen ohnehin nicht gehört (da es laut Gesetz "herrenlos" ist). Jagdpächterinnen und Jagdpächter zahlen jedoch eine Pachtgebühr für ihr Revier, die sie dazu berechtigt dort zu jagen, d.h. Wild zu erlegen und es sich anzueignen. Das Wildbret können sie anschließend vermarkten und dadurch einen Teil der Pachtgebühr zurück erwirtschaften. Die Höhe dieses jagdlichen „Ertrags“ wird von vielen Jägerinnen und Jägern bei der Entscheidung zur Pacht mit einkalkuliert. Risse durch Großraubtiere werden nun von vielen der befragten Jägerinnen und Jägern als Ertragsverlust betrachtet, den sie nicht ohne weiteres hinzunehmen bereit sind. Dieser materielle Verlust ist häufig ein Grund für Vorbehalte gegen Großraubtiere.

Viel bedeutender sind jedoch unter den Befragten die immateriellen Verluste. Anders als z.B. bei Schäferinnen und Schäfern, die mit den Schafen ihr direktes Einkommen erzielen, ist für die befragten Jägerinnen und Jäger die Jagd selten der Hauptbroterwerb. Die meisten von ihnen jagen außerhalb des Hauptberufs, d.h. in der Freizeit. Darum ist für den Großteil der Befragten der materielle Wert der Jagd nachrangig. Die Freude an der Jagd an sich (=immaterieller Wert der Jagd) steht häufig im Vordergrund. Einige der befragten Jägerinnen und Jäger befürchten nun, dass das Wild durch die Anwesenheit von Raubtieren "heimlicher" wird, sich also versteckt. Sie befürchten, dass dadurch das Jagderlebnis in seinem zentralen Wert eingeschränkt wird: nämlich Wild zu erleben, zu beobachten und schließlich auch zu erlegen. Einige Jägerinnen und Jäger befürchten durch die Großräuber auch eine Zusatzbelastung für das Wild, das durch die zahlreichen menschlichen Nutzungen und Aktivitäten im Wald bereits gestört werde.

Im Konflikt um Großraubtiere finden die Befragten Jägerinnen und Jäger es oft schwierig, Außenstehenden ihren Standpunkt verständlich zu machen. Jagen gelte in vielen Gesellschaftsteilen als überkommen und rückschrittlich, würde sogar mit Mord und Freude am Töten assoziiert und folglich abgewertet. Viele befragte Jägerinnen und Jäger haben daher den Eindruck, dass die kulturelle und ökologische Bedeutung der Jagd nicht akzeptiert und wertgeschätzt würde und dass die Raubtiere letztendlich ein Schachzug der Jagdgegnerinnen und Jagdgegner seien, um den Jagenden eins "auszuwischen". Gegen diese „Funktion“ der Raubtiere wehren sie sich, genauso wie auch gegen die Abwertung der Jagd. Dadurch bekommt die Diskussion um Großraubtiere eine soziale bzw. gesellschaftliche Dimension, in der es darum geht, welche der Interessensgruppen sich mit ihren Wertevorstellungen gegenüber der anderen durchsetzen kann. Es geht dabei also mehr um die gesellschaftliche Akzeptanz unterschiedlicher Werte und nicht mehr um die Raubtiere.

Quellen:
Lüchtrath A. (2011): Bewertung von Bestrebungen zum Schutz großer Beutegreifer durch betroffene Bevölkerungsgruppen am Beispiel des Luchses. Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften. Freiburg, Albert-Ludwig Universität

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Weiterführende Information

Mehr zu dem hier vorgestellten Thema finden Sie unter:

Luchsprojekt Bayern

Doktorarbeit von A. Lüchtrath
Universität Freiburg (2011)

© 2016 - ein Kooperationsprojekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) unter Beteiligung von Jagd-, Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden

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Luchs und Wolf in Baden-Württemberg, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Schwäbischer Wald