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Konfliktanalyse

Nach langer Abwesenheit von Luchs und Wolf wird die Diskussion um die Rückkehr der Großraubtiere gerade zwischen den Akteurinnen und Akteuren aus Jagd, Landwirtschaft und Naturschutzgruppen sehr kontrovers geführt. Manche Landnutzerinnen und Landnutzer stehen der Rückkehr kritisch bis ablehnend gegenüber, während viele Naturschützerinnen und Naturschützer diese begrüßen. In einem Forschungsprojekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, das in Kooperation mit der Professur für Forst- und Umweltpolitik der Universität Freiburg und in enger Absprache mit den Verbänden der Arbeitsgruppe Luchs (jetzt AG Luchs und Wolf) durchgeführt wurde, wird unter anderem die Einstellung von Schäferinnen und Schäfern sowie der Jägerschaft untersucht.

Im Folgenden stellen wir Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit vor (Angela Lüchtrath 2011, Bewertung von Bestrebungen zum Schutz großer Beutegreifer durch betroffene Bevölkerungsgruppen am Beispiel des Luchses). Die Dissertation behandelt die Frage, wie betroffene Bevölkerungsgruppen die Rückkehr großer Beutegreifer wahrnehmen.


Die zwei Dimensionen des Luchskonfliktes aus Sicht der Jägerschaft und Nutztierhaltung

Es stellte sich heraus, dass die Einstellung dieser Gruppen gegenüber den Großraubtieren zwar zum einen durch die Sorge vor materiellen Verlusten geprägt wird (u.a. Risse von Nutztieren; Folgeschäden; Wildbretverlust), zum anderen aber ganz wesentlich auf den bisherigen Interaktionen zwischen Befürwortenden und Kritisierenden dieser Tiere fußt. Schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit und Missstimmung zwischen den Gruppen, werden auch auf das Thema Großraubtiere übertragen. Dementsprechend sinken die gegenseitige Toleranz und die Bereitschaft, den Anliegen der anderen Gruppe zuzuhören. Es besteht vielmehr die Befürchtung, mit den eigenen Interessen zu unterliegen. Eine sachliche Diskussion über Sorgen, Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten ist dadurch kaum mehr möglich.

So kann der Streit um Luchs oder Wolf zur Grundsatzfrage werden, welche Gruppe sich mit ihren Werten und Interessen auf Kosten der anderen durchsetzen, bzw. wie man sich gegen die empfundene Bevormundung der anderen Gruppe/n wehren kann. Dadurch verhärten sich die Fronten, die agierenden Gruppen entfernen sich zunehmend voneinander und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sinkt.

In diesem Punkt ähnelt der Konflikt um Großraubtiere vielen anderen sozialen Konflikten, in denen es häufig weniger um das umstrittene Objekt selbst geht, als vielmehr um die Art und Weise des Umgangs und somit um die Beziehung zwischen den Konfliktparteien. Hinweise auf weiterführende Literatur hierzu finden Sie rechts im Kasten.

Diese Erkenntnis spielt eine entscheidende Rolle bei der Suche nach nachhaltigen Lösungen im Management von Großraubtieren in Baden-Württemberg. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, lesen Sie unter Konfliktmanagement.

Quellen:
Lüchtrath A. (2011): Bewertung von Bestrebungen zum Schutz großer Beutegreifer durch betroffene Bevölkerungsgruppen am Beispiel des Luchses. Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften. Freiburg, Albert-Ludwig Universität

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Weiterführende Information

Mehr zu dem hier vorgestellten Thema finden Sie unter:

Doktorarbeit von A. Lüchtrath
Universität Freiburg (2011)

Doktorarbeit von M. Herdtfelder
Universität Freiburg (2012)

© 2016 - ein Kooperationsprojekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) unter Beteiligung von Jagd-, Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden

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Luchs und Wolf in Baden-Württemberg, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Schwäbischer Wald