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Nahrung des Wolfes

Der Wolf ist, was die Nahrung angeht, ein Opportunist. Er frisst alles, was er für genießbar hält, dazu kann auch Vegetarisches gehören. Ähnlich der Hunde fressen Wölfe auch Gräser, jedoch nicht der Ernährung wegen, sondern als eine Art Schmiermittel, um schwer verdauliches wie Knochen leichter auszuscheiden. In seltenen Fällen greifen Wölfe auch auf menschliche Abfälle zurück. Die Nahrungszusammensetzung kann daher sehr unterschiedlich sein.

Grundsätzlich aber bevorzugen Wölfe auf ihrer Jagd das Schalenwild. In Mitteleuropa ernähren sie sich vor allem von Reh-, Rot- und Schwarzwild, örtlich auch von Dam- und Muffelwild. Deutlich geringer fällt der Anteil der mittelgroßen und kleinen Säuger wie Füchse, Marder, Hasen oder Mäuse an der Ernährung aus.


Bild: Hirschkuh mit Kalb

Verhalten gegenüber Nutztieren

In das Beuteschema des Wolfes gehören aber ebenso die domestizierten Tiere. Und damit wird auch eine der größten Sorgen angesprochen, die mit der Rückkehr des Wolfes verbunden ist. Anders als der Luchs, bei dem Übergriffe auf Nutztiere eher selten sind, greifen viele Wölfe ungeschützte Nutztiere an.

Aus der Wolfsregion Lausitz sind seit 2002 diese Übergriffe dokumentiert worden und es lohnt sich für nähere Informationen auf deren Internetpräsenz nachzulesen. Der Anteil gerissener Haustiere steht in Zusammenhang mit den getroffenen Schutzmaßnahmen, der Anzahl an Wolfsrudeln und auch der Größe des Territoriums der Rudel.

Um eine Vorstellung zu bekommen, was die Wölfe in der Lausitz in welchen Mengen vertilgen können, seien an dieser Stelle einige Zahlen aus den langjährigen Analysen der Wolfsregion aufgeführt:

- Pro Tag benötigt ein ausgewachsener Wolf im Durchschnitt etwa 2-3 kg Fleisch. Dementsprechend frisst er an einem Reh vier bis sieben Tage. Ein Welpe benötigt im Geburtsjahr etwa die Hälfte davon.

- Im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz wurden über 4000 Losungsproben im Hinblick auf die Narungszusammensetzung untersucht. Die Hauptnahrung der Lausitzer Wölfe besteht aus wildlebendem Schalenwild, welches 94,9% der Biomasse ausmacht und in 92,5% aller Proben enthalten ist. 52,6% der Biomasse stammen vom Rehwild, 21,3% vom Rotwild und 18,3% vom Schwarzwild.

- Der Biomasseanteil an gerissenen Haustieren (Schafe, Ziegen) ist in diesem Gebiet mit 0,75% sehr klein, was einerseits auf eine ausreichende Wilddichte und andererseits auf einen effektiven Herdenschutz hinweist. Ebenso werden gerissene Haustiere meist nach einer Nacht durch den Menschen entfernt.


Tabelle: Biomasseanteil an der Wolfsnahrung [%] (4136 untersuchte Losungen in der Lausitz zwischen 2001 und 2012). Quelle: LUPUS

Wölfe sind zwar auf Schalenwild spezialisiert aber dennoch recht flexibel in ihrer Nahrungswahl. Und sie sind Generalisten was ihre Habitatwahl angeht. Diese hohe Flexibilität macht es schwierig, Pauschalaussagen hinsichtlich ihrer Nahrungswahl zu treffen. 

Der Wolf als Selektierer

Anders als der Luchs, der als Überraschungsjäger aus kurzer Distanz auch die körperlich fitteren Tiere erwischt, greifen Wölfe als ausdauernde Jäger beim Rot- und Schwarzwild bevorzugt auf die jüngeren und schwächeren Tiere zurück. So können sie direkt Einfluss auf die Geschlechter- und Alterszusammensetzung der Beutetierarten nehmen.

Es gibt diesbezüglich Untersuchungen, z.B. eine Studie aus dem Bialowieza Urwald in Polen, bei der Beutereste von Wölfen und Wolfslosungen untersucht wurden. Am Rotwildanteil waren mit 61% vor allem Kälber enthalten, dann erwachsene weibliche Tiere mit 31% und der geringste Anteil entfiel auf die wehrhafteren Hirsche mit 14% bis 27%. Bei den Wildschweinen lag der Anteil verzehrter Frischlinge sogar bei 94%.

In der Lausitz spiegelt sich das selektive Vorgehen der Wölfe im Jahresverlauf der Nahrungszusammensetzung wieder. Wildschweine werden vor allem im Frühling erlegt, wenn Frischling eine leichte Beute darstellen. Im Sommer werden dann Rothirschkälber bevorzugt. Das Reh wird dagegen, unabhängig vom Alter, das ganze Jahr über gleich genutzt. 

Nahrungsmenge

Für die Wölfe der Lausitz wurden aus den langjährigen Untersuchungen folgende Jagdstrecken ermittelt:

- Ein Wolf erlegt durchschnittlich 65 Rehe, 9 Stück Rotwild und 16 Stück Schwarzwild pro Jahr.

- Für ein Rudel sind das jährlich 400 Rehe, 54 Stück Rotwild und 100 Stück Schwarzwild.

- Bei einem Streifgebiet von 25.000 ha (250 km²) entspricht dies 1,6 Rehen, 0,22 Stück Rotwild und 0,4 Stück Schwarzwild pro 100 ha und Jahr. 

- Ein Wolfsrudel reißt demnach pro Jahr auf 100 ha 2,2 Stück Schalenwild.

Für weitere Informationen zur Nahrung des Wolfes empfehlen wir Ihnen die Seite der Wolfsregion Lausitz und besonders die Broschüre "Mit Wölfen leben", zu finden in der rechten Leiste unter "Weiterführende Information".

Quelle:

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Weiterführende Information

Mehr zu dem hier vorgestellten Thema finden Sie unter:

Broschüre "Mit Wölfen leben"

Ernährung - Wolfsregion Lausitz

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