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Autor: Micha Herdtfelder, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt BW | Datum: 05.04.2016 | Kommentare: 12

Informationen zum Thema "Hybriden"

Das Thema Hybridisierung Hund/Wolf sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Wie behandeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland die Thematik?

Grundlegendes zur Hybridisierung:
Wölfe und Hunde leben seit Jahrtausenden nebeneinander und es ist natürlich durchaus anzunehmen, dass es immer wieder zu Einkreuzungen kam und auch kommen kann, wenngleich das unterschiedliche Verhalten von Wölfen und Hunden eine Paarung sehr unwahrscheinlich macht. Je länger solche Einkreuzungen zurückliegen, desto schwieriger wird es, diese mit Methoden der Genetik oder der Morphologie zu erfassen. Die Evolution ist nichts statisches und Arten unterliegen ständig einem gewissen Wandel – eine Grundlage, die allen Biologinnen und Biologen bewusst sein sollte. Kommt es nun aber aktuell zu einer Paarung zwischen Hunden und Wölfen, so können die entstandenen Hybriden in den ersten Generationen genetisch eindeutig erkannt werden. Da solche „F1-Hybriden“ in der Population unerwünscht sind, lautet die Empfehlung in der Regel, diese zu entnehmen.

Referenzproben bei der genetischen Bestimmung:
Die für die genetischen Analysen zuständigen Laboratorien in Europa arbeiten mit Referenzproben aus schon lange etablierten Wolfspopulationen und unterstehen regelmäßigen Qualitätskontrollen durch unabhängige Institutionen, die Methoden und Ergebnisse werden in unabhängigen Prüfverfahren (peer-review-Verfahren) sehr kritisch hinterfragt. Die ersten Wölfe in der Lausitz wurden übrigens nicht als Wölfe deklariert und dann deren DNA als Referenzproben für die Bestimmung weiterer Tiere in Deutschland genutzt. Das wäre tatsächlich ein grob falsches Vorgehen, wird aber leider immer wieder fälschlicherweise in den Raum gestellt.

Morphologische Merkmale zur Unterscheidung zwischen Wölfen und Hybriden:
Alle tot aufgefundenen Wölfe werden im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin mit modernen Methoden der Pathologie untersucht und vermessen. Keine Merkmale der in Baden-Württemberg vorkommenden Wölfe sprechen für eine Hybridisierung. Zusammengewachsene Zehen oder auch helle Krallen sind bei Wölfen nicht ungewöhnlich. Die Schädel zahlreicher Wölfe sind im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz archiviert und dort Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten, die auch veröffentlicht werden. Naturkundemuseen sind der Forschung verpflichtet und die Schädel können dort von Forscherinnen und Forschern begutachtet werden.

Umgang mit Hybriden:
In Deutschland wurde bisher lediglich im Jahr 2003 Hybridisierung zwischen einem Hunderüden und einer Wölfin in Sachsen nachgewiesen. Die Hybridisierung wurde von den mit dem Wolfsmonitoring beauftragten Wissenschaftlerinnen erkannt. Diese Wissenschaftlerinnen forderten auch die Entnahme der Tiere, um die junge Wolfspopulation nicht zu gefährden. Daraufhin wurden zwei Welpen eingefangen, die anderen Jungtiere wurden nach kurzer Zeit nicht mehr im Rudel nachgewiesen, was ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass sie nicht überlebt hatten. Solche Hybridisierungen sind gerade bei sich ausbreitenden Populationen nicht ausgeschlossen. Ein wesentlicher Grund für das intensive genetische und morphometrische Monitoring ist es, mögliche Hybridisierungen zu identifizieren, um entsprechend reagieren zu können. In Deutschland war dies jedoch nur ein einziges Mal (eben im Jahr 2003) der Fall. Seitdem sind alle erfassten Wölfe eindeutig sowohl morphologisch wie auch genetisch als Wölfe bestimmt. Die seriöse wissenschaftliche Diskussion ist gerade in Bezug auf die junge Wolfspopulation in Deutschland sehr selbstkritisch.

Gefahr durch Hybridisierung:
Wie bereits erwähnt wird von Seiten der Expertinnen und Experten empfohlen, bei nachgewiesener Verpaarung von Wolf und Hund die Nachkommen aus der Population zu entnehmen. Neben der sogenannten „Introgression“ von Hundegenen in die Wolfspopulation soll damit auch der theoretischen Möglichkeit vorgebeugt werden, dass Wölfe Verhaltensweisen von Hunden übernehmen könnten, wie beispielsweise eine Vertrautheit gegenüber dem Menschen. Die im Laufe der Evolution von Wolf und Hund möglicherweise immer wieder stattgefundene Verpaarung von einzelnen Hunden mit einzelnen Wölfen hat aber ganz offenbar nicht dazu geführt, dass Wölfe heute ein Verhalten zeigen, dass gegenüber dem Menschen als gefährlich eingestuft werden muss. Vielmehr als das genetisch fixierte Verhalten haben die Erfahrungen zu Lebzeiten der Tiere einen Einfluss auf deren Verhalten gegenüber dem Menschen. Aus diesem Grund sollen Wölfe nicht angefüttert werden.
(Quellen:pers. Komm. Dr. Carsten Nowak, Fachgebiet Naturschutzgenetik Forschungsinstitut Senckenberg und Ilka Reinhardt, Büro Lupus)

 

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    Wolfsrüde (Bild: Büro Lupus)

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Kommentare zu diesem Artikel

Micha Herdtfelder Verband:
am 24.05.2017, 15:12 Uhr
Sehr geehrte Frau Engelhardt, vielen Dank für Ihren Beitrag. Die zusammengewachsenen Zehenballen gelten zwar als sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen Goldschakal und Fuchs, aber es gibt eben auch Hunde und Wölfe, die solche verwachsenen Zehenballen haben. Um einen Goldschakal von einem Europäischen Grauwolf zu unterscheiden ist bei adulten Tieren allerdings die Betrachtung von Habitus, Gewicht und Größe völlig ausreichend. Ein adulter männlicher Goldschakal wiegt in der Regel zwischen 10 und 15kg. Ein adulter männlicher Europäischer Grauwolf wiegt bis zu 50kg. Es besteht also schon alleine aufgrund des Gewichtsunterschiedes keine Verwechslungsgefahr. Mit freundlichem Gruß Micha Herdtfelder
Kommentar bearbeitet: 24. May 2017, 15:13:06 Uhr  
Silke Engelhardt Verband: -
am 24.05.2017, 02:22 Uhr
Zitat:"...Alle tot aufgefundenen Wölfe werden im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin mit modernen Methoden der Pathologie untersucht und vermessen. Keine Merkmale der in Baden-Württemberg vorkommenden Wölfe sprechen für eine Hybridisierung. Zusammengewachsene Zehen oder auch helle Krallen sind bei Wölfen nicht ungewöhnlich...." Ich frage mich manchmal, wer sich da seine Wölfe gerne malen möchte. Und nun die Unterscheidungsmerkmale, die in der Trumler-Station klar definiert werden: Zitat:" ...Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal, an dem man den Schakal nach seiner Erlegung oder nach einem Totfund sauber von Fuchs, Wolf und auch Haushund erkennen kann, ist die Verwachsung der beiden mittleren Zehenballen der Vorder- und Hinterpfoten; sie sind nicht durchgehend voneinander getrennt (Abb. 2), sondern am Hinterende verwachsen,..." Hier zu finden http://www.trumler-station.de/index.php/2-uncategorised/63-hintergrundinfos-zum-goldschakal.html Und ich glaube nicht, dass man Herrn Dr. Frank G. Wörner Inkompetenz nachsagen könnte
Micha Herdtfelder Verband:
am 11.11.2016, 17:12 Uhr
Sehr geehrte Leserinnen und Leser, die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg ist in verschiedenen Kommentaren und Artikenl auf dieser Internetseite bereits auf viele von Frau Wolf aufgestellten Behauptungen eingegangen. Ebenso gibt es auf der Seite der niedersächsischen Behörden eine eigene Sparte, in der ähnliche Theorien behandelt werden (Externer Link: www.der-wolf-in-niedersachsen.de).
Kommentar bearbeitet: 11. November 2016, 17:13:05 Uhr  
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