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Autor: Haller | Datum: 05.02.2013 | Kommentare: 0

Kehlbiss

Für den Solojäger Luchs ist es besonders wichtig, seine Beute so schnell wie möglich zu töten. Miha Krofel von der Universität Ljubljana hat das Tötungsverhalten von Luchsen an etlichen Beutetieren im Labor untersucht. Zwei Drittel der Luchsrisse von Reh-, Rot- und Gamswild erlagen dem Biss in die Drossel.

Luchse jagen einzeln und müssen daher vorsichtig und möglichst schnell töten um Verletzungen durch das Wild zu entgehen. Bekannt ist seit Langem, dass Luchse die Schalentiere bevorzugt durch einen Biss in den Hals töten. Bei kleineren Beutetieren genügt oft ein Nackenbiss, bei größeren greifen sie häufig von unten an der Drossel an. Dabei, so berichten viele Autoren, ersticken sie ihre Beute durch Abdrücken oder Verletzen des Rachens und der Luftröhre.

In einer Studie zum Tötungsverhalten von Luchsen untersuchte Miha Krofel an der Universität Ljubljana (Slowenien) 2009 in der Autopsie die Beutereste von Luchsen. Wichtig waren dabei die äußeren Verletzungen durch Eckzähne und Krallen wie auch inneren Verletzungen. In 13 Fällen handelte es sich um recht frische Beute, was die Autopsie erleichterte. Alle Tiere wurden durch einen Biss in den Halsbereich getötet. In acht Fällen kam der Biss bauchseits (ventral), in drei von der Rückseite (dorsal) und in zwei Fällen waren die Bissspuren auf beiden Seiten erkennbar.

Bei neun anderen Beutetieren mussten detailliertere Autopsien an den Bissspuren durchgeführt werden. Auch hier kamen die meisten Bissspuren (sechs von neun) von unterhalb der Drossel. In fünf Fällen waren auch die Halsschlagader und die Nervenstränge an der Seite der Kehle geschädigt. In nur einem Fall blieb die Verletzung durch die Zähne auf die Luftröhre beschränkt.

Die Untersuchungen ergaben, dass in den meisten Fällen der Tod durch einen Biss in die bauchseitige Kehle erfolgte. Die meisten Tiere erlagen der Atemnot durch Abdrücken der Luftröhre oder des Kehlkopfes.  Nicht alle Verletzungen wurden an der Kehle gefunden und es bleibt unsicher, ob der Luchs dies beabsichtigte. Aus gerichtsmedizinischen Untersuchungen an Menschen ist bekannt, dass ein zu hoher Druck auf die Halsschlagader zur Absenkung des Blutdruckes und im schlimmsten Fall zum reflexartigen Herzstillstand (Karotissinusreflex) führen kann. Es wäre denkbar, dass auch die Schalentiere ähnlich reagieren und der Luchs diesen Umstand ausnutzt, um schnell zu töten und so Verletzungen zu entgehen.

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Quelle: Miha Krofel et.al (2009) The killing technique of eurasian lynx (Lynx lynx). Belg. J. Zool., 139 (1): 79-80.

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    Luchsriss aus Dinarischen Alpen

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