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Zuwanderung des Wolfes

Der Wolf war in weiten Teilen Mitteleuropas Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Lediglich im heutigen Ostpolen und im italienischen Apennin hielten sich vereinzelte Vorkommen. Polnische Wölfe wurden seit den 1950er Jahren hin und wieder im heutigen Ostdeutschland gesichtet, aber erst im Jahr 2000 wurden Jungtiere in der sächsischen Lausitz nachgewiesen. Seit dieser Zeit hat sich die Lausitz, sowohl auf sächsischer als auch auf brandenburgischer Seite, zu der ersten Wolfsregion in Deutschland entwickelt. In den vergangenen Jahren haben sich die Wölfe auch in weitere Bundesländer ausgebreitet. Für aktuelle Informationen über Vorkommen und Verbreitung der Wölfe deutschlandweit klicken sie hier.

Junge Wölfe verlassen ihr Rudel in der Regel im Alter von zwei Jahren, um sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium zu begeben. Dabei legen sie oft mehrere hundert Kilometer zurück. Die Querung von Flüssen, Straßen oder auch besiedelten Bereichen stellt für Wölfe dabei kein generelles Hindernis dar. 


Wolfsverbreitung um Deutschland (nach Salvatori & Linnell 2005, ergänzt durch FVA 2013; Gebiete, aus denen keine aktuellen Angaben vorlagen, wurden schraffiert)

Kluth & Reinhardt stellen in ihrer Arbeit Leben mit Wölfen (BfN-Skript, 2007) fest, dass der Mittelgebirgszug von Polen und der Slowakei über Tschechien und Südsachsen bis nach Bayern und Thüringen eine ausgezeichnete Migrationsroute für Wölfe aus Osteuropa darstellt. Vom italienischen Apennin aus findet derzeit die natürliche Wiederbesiedelung der Westalpen statt: In den Seealpen (Italien/Frankreich) wurden erstmals 1992 zuwandernde Wölfe registriert, deren Nachkommen sich mittlerweile insbesondere nach Nordosten in die Schweiz ausbreiten. In der Ostschweiz, Kanton Graubünden, gab es im Jahre 2012 den ersten gesicherten Nachweis von dort geborenen Jungtieren, weitere Rudelbildungen folgten. Auch in den Vogesen werden schon seit geraumer Zeit gelegentlich Wölfe aus dem Süden beobachtet: Im Jahr 1994 wurde dort ein Wolf italienischer Abstammung geschossen. Nach etlichen nicht überprüfbaren Wolfssichtungen wurde im Frühjahr 2011 der Fotobeleg eines männlichen Wolfes in den Südvogesen erbracht. Im Winter 2011/2012 gesellte sich eine Fähe dazu. Der erste Nachwuchs und somit die erste Rudelgründung in den Vogesen wurde im Sommer 2013 bestätigt.

Wolfsnachweise in DeutschlandWolfsnachweise in Deutschland, Stand Juli 2015 (Darstellung: F. Böcker, FVA)

In Baden-Württemberg gab es 2015 mit zwei Totfunden die ersten Wolfsnachweise. Beide Tiere waren junge Rüden aus einem Rudel in der Schweiz, also aus der italienisch-französischen Population. Bis heute gab es immer wieder Nachweise von Einzeltieren, die zum Teil zwar über mehrere Wochen nachgewiesen werden konnten, jedoch bislang nie über einen längeren Zeitraum. Seit Herbst 2017 gibt es nun genetische Nachweise eines Wolfsrüden aus Niedersachsen. Eine Rückkehr der Wölfe nach Baden-Württemberg ist also einerseits aus der Schweiz zu erwarten, wo sich seit 2012 bereits mehrere Rudel etabliert haben. Bei den zwei Totfunden an der A5 vom Juni 2015 und der A8 im November 2015 konnte die Herkunft beider Tiere aus der alpinen Population durch genetische Untersuchungen des Forschungsinstituts Senckenberg bestätigt werden. Jedoch ist auch eine Zuwanderung aus den östlichen Bundesländern jederzeit möglich, wie der Fall des „Schluchsee-Wolfs“ und des nun mehrfach nachgewiesenen Rüden im Nordschwarzwald beweisen. Diese Tiere sind nachweislich aus einem Rudel in Niedersachsen nach Baden-Württemberg eingewandert. Baden-Württemberg bildet somit einen wichtigen Schnittpunkt zwischen den zwei bislang getrennt voneinander lebenden Teilpopulationen.

Wurde Baden-Württemberg vor einiger Zeit noch als „Wolfserwartungsland“ bezeichnet, ist der Wolf nun auch im Südwesten Deutschlands angekommen. Auf eine Rudelbildung gibt es in Baden-Württemberg bisher keine Hinweise, jedoch ist dies nach Meinung von Fachleuten lediglich eine Frage der Zeit.

Im Monitoringjahr 2016/2017 (01.05.2016 - 30.04.2017) konnten in Deutschland insgesamt 60 Wolfsrudel, 18 Paare und zwei territoriale Einzeltiere in sieben Bundesländern nachgewiesen werden. (Stand August 2018, DBBW). Alle Vorkommen liegen aus biologischer Sicht nah an Baden-Württemberg.

Für den Fall einzelner Wolfsvorkommen in Baden-Württemberg ist ein Handlungsleitfaden Wolf erstellt worden.

Quellen:
Kluth, G., Rheinhard, I. (2007): Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skript 201. Bundesamt für Naturschutz. Bad Godesberg
Linnell, J., Salvatori, V. & Boitani, L. (2007): Guidelines for Population Level Management Plans for Large Carnivores. Europe, L. C. I. f. Istituto di Ecologia Applicata, Rome: 78
Salvatori, V. & J. Linnell (2005): Report on the conservation status and threats for wolf (Canis lupus) in Europe. Councel of Europe. PVS/Inf (2005) 16.

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Luchs und Wolf in Baden-Württemberg, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Schwäbischer Wald