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Autor: Herdtfelder | Datum: 17.01.2013 | Kommentare: 0

Luchse und Schalenwild im Wallis

Luchse in Mitteleuropa haben nur in seltenen Fällen einen merklichen Einfluss auf die Dichte ihrer Beutetiere. Ein solcher Fall wurde in den 1980er Jahren im Wallis dokumentiert, als dort Luchse in das Turtmanntal einwanderten.

Die Wiederansiedlung der Luchse in den Schweizer Alpen begann mit Aussetzungen in den 1970er Jahren. In den ersten Jahren wurden die Aussetzungen noch nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet. Aus der damaligen Zeit weiß man somit wenig über die Entwicklung der Luchspopulation, es ist jedoch davon auszugehen, dass diese zunächst stetig wuchs. Ein Beispiel für einen drastischen Einfluss der Luchse auf ihre Beutetierbestände wurde in den 1980er Jahren im Turtmanntal (Wallis) dokumentiert:

In diesem Hochtal wurden die lokalen Reh- und Gamswildbestände durch die Zuwanderung von Luchsen dramatisch reduziert. Als Grund geben die Schweizer Forscherinnen und Forscher an, dass in diesem Jagdbanngebiet die dortigen Rehwilbestände aufgrund von Fütterungen unnatürlich hohe Dichten erreichten und im Winter die Einstände auf wenige Flächen beschränkt waren. Da das Turtmanntal seit 1951 Jagdbanngebiet war, lebten auch Gämsen in extrem hohen Dichten in dem Hochtal. Unter natürlichen Bedingungen wäre das Rehwild vermutlich mit Beginn der Schneefälle Großteils aus dem Hochtal abgewandert. Die Fütterungen führten jedoch dazu, dass vereinzelt zugewanderte Luchse im tiefen Schnee auf die Rehe und Gämsen trafen. Im Winter 1986/87 wurden auf einer Fläche von lediglich 8,5km² insgesamt 49 Risse gefunden. Dies blieb nicht ohne Folgen für die Schalenwildbestände, die bis 1988 im Turtmanntal dramatisch reduzierten wurden. 

Eine andere Entwicklung wurde nach der Luchsaussetzung im Kanton Obwalden beobachtet: Betrachtet man die Jagdstrecken des Kantons, so ist auffallend, dass die Rehwildstrecken in den Jahren nach der Luchsaussetzung zunächst anstiegen. Eventuell änderten die Rehe durch die Luchsaussetzung zunächst ihre Raumnutzung hin ins Offenland und waren für die Jägerschaft somit besser zu erlegen. Erst sechs Jahre nach der ersten Freilassung zeichnete sich eine Trendwende ab: die Rehwildstrecke sank auf ein Drittel. Inwiefern die Luchse dafür verantwortlich waren, lässt sich aufgrund der fehlenden Daten über die Entwicklung der Luchspopulation nicht mehr klären. Später stieg die Jagdstrecke allerdings wieder an.

Es bleibt somit festzuhalten, dass der Einfluss einer Luchspopulation auf die Beutetierbestände in einer Region kaum vorhersehbar ist. Je nach Art der bisherigen Bejagung und Hege, nach geographischen Gegebenheiten sowie besonderen Witterungsbedingungen kann der Einfluss von "nicht nachweisbar" bis "erheblich" variieren.

Interne Links:
Artikel: Beeinflusst der Luchs Dichte und Verhalten seiner Beute?

Quellen:
Breitenmoser, U. & Breitenmoser-Würsten, Ch. (2008): Der Luchs - Ein Großraubtiere in der Kulturlandschaft. Salm Verlag, Wohlen/Bern

Haller, H. (1992): Zur Ökologie des Luchses Lynx lynx im Verlauf seiner Wiederansiedlung in den Walliser Alpen. Mammalia depicta 15, Beiheft zur Zeitschrift für Säugetierkunde.

  • Luchsumsiedlung in den Kalkalpen  » Click to zoom ->

    Luchsumsiedlung in den Kalkalpen

  • Betäubte Luchsin in Slowenien  » Click to zoom ->

    Betäubte Luchsin in Slowenien

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