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Autor: FVA | Datum: 16.07.2018 | Kommentare: 0

Keine höhere Hybridisierungsrate von Wölfen in Frankreich

Eine französische Publikation suggeriert hohe Hybridisierungsraten bei Wölfen in Frankreich: hier die Expertenmeinung der Wolfs-Genetiker in Deutschland zu dieser Thematik

Auf Grundlage eines französischen Artikels zur Hybridisierung von Wölfen (s. link) entstand das Gerücht, dass es in Frankreich hohe Hybridisierungsraten bei Wölfen gäbe.

Hier geht es zur entsprechenden Pressemitteilung des ONCFS.

Eine Anfrage an das Senckenberg-Institut dazu ergab folgende Aussage:

"Die von der Firma Antagene analysierten Proben ergeben eine Hybridisierungsrate von 2 F1-Hybriden bei 130 Individuen = 1,5%. Dies ist eine für europäische Wolfspopulationen normale Hybridisierungsrate (streng genommen ist dies keine Rate oder Quote, hierfür müsste man die Anzahl der Hybridwürfe in das Verhältnis zur Gesamtzahl an Würfen stellen, in Deutschland kommt man so auf 2 F1-Hybriden /245 belegte Würfe = 0,8%. Bei einem guten Sampling sollten die Werte aber annähernd vergleichbar sein). Es ist gut bekannt, dass es in den meisten Wolfspopulationen gelegentlich zur Hybridisierung mit Haushunden kommt. Die Hybridisierungsraten sind jedoch meist gering und führen zu keiner Auflösung der genetischen Trennung von Wolf und Haushund bzw. zur Bildung sogenannter "Hybridschwärme", wie dies etwa für die schottische Wildkatzenpopulation nachgewiesen ist (in diesen finden sich keine oder kaum mehr reine Parentalarten). 

Auch die Gesamtzahl von 10/130 Individuen mit über Mikrosatelliten nachgewiesenen Spuren von Hundeintrogression im Genom (= 7,7%) stellt einen im internationalen Vergleich normalen Wert dar, wie er auch in anderen südeuropäischen Regionen vorkommt. Neuere genomweite Untersuchungen haben in den letzten Jahren bestätigt, dass Wölfe der Alpenpopulation keinen höheren Grad an Hunde-DNA aufweisen, als dies für andere eurasische Wolfspopulationen der Fall ist. Ein teils erhöhter Grad an morphologischen Hundemerkmalen (etwa in Italien) stammt demnach zumindest teilweise aus lange zurückliegenden Hybridisierungsereignissen und stellt keinen zuverlässigen Indikator für eine höhere Hybridisierungsrate dar. Bei den bisher in Deutschland genetisch beprobten Wölfen aus der Alpenpopulation konnten mittels Mikrosatelliten- und SNP-Analyse keine Spuren der Vermischung mit Hunden festgestellt werden."

Bestimmung des Hybridisierungsgrades in Deutschland

Eine mit dieser Thematik in Zusammenhang stehende Anfrage betrifft die Bestimmung des Mischlingsanteils von Wölfen in Deutschland durch die sogennante "Assoziationsanalyse". Laut dem Senckenberg-Institut ist diese Methode ungeeignet, um den Hybridisierungsgrad zu testen. Die Erläuterung hierzu:

"Seit Beginn der genetischen Analysen von Wolfsproben bei Senckenberg im Jahr 2010 werden alle dafür geeigneten Proben auf den Hybridisierungsgrad hin getestet. Hierfür werden die international üblichen statistischen Zuordnungs- oder Clusterverfahren verwendet (z.B. die weit verbreiteten Computerprogramme NewHybrids oder STRUCTURE). Der Begriff "Assoziationsanalyse" bezeichnet hingegen in der Genetik üblicherweise den statistischen Test auf eine Assoziation zwischen zwei oder mehreren genetischen Merkmalen oder einem Geno- und einem Phänotyp. Diese Verfahren sind in der Zuchtgenetik von hoher Bedeutung. Zur Unterscheidung von Hunden und Wölfen sind Assoziationsanalysen nach Kenntnis des Senckenberg-Instituts jedoch eher ungeeignet und den allgemein üblichen, komplexen Bayesischen Clusterverfahren unterlegen. Alle bei Senckenberg genetisch erfassten Wolfsindividuen werden routinemäßig auf eine mögliche Hybridisierung mit Haushunden getestet."

(Quelle:pers. Komm. Dr. Carsten Nowak, Fachgebiet Naturschutzgenetik Forschungsinstitut Senckenberg)

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