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Autor: FVA | Datum: 9.11.2018 | Kommentare: 0

Wer hat Angst vor dem Wolf? Ein Rollenspiel mit Schülern im Nordschwarzwald

Ein Biokurs des Windeck Gymnasium in Bühl diskutiert in einem Rollenspiel das Thema Wolf. Was dabei herauskommt, spiegelt den aktuellen Konflikt wieder: Viele Emotionen und eine komplexe Problematik.

Das Thema ist hochaktuell im Nordschwarzwald. Deswegen wollte die Biolehrerin Barbara Becker nicht nur die Biologie des Wolfes  thematisieren, sondern auch seinen politischen Diskurs. Der Wildtierbeauftragte Martin Hauser organisierte daraufhin einen spannenden Workshop, der Kompetenzen rund ums Thema Wolf vermitteln sollte: Zum einen das Fachwissen, damit wir ihn nicht nur aus Grimms Märchen kennen und zum anderen Empathievermögen für die verschiedenen Interessensgruppen. Das Ergebnis war verblüffend und überraschend friedlich:

„Also, ein bisschen mulmig ist mir da schon!“ Jessica von der Gruppe der Waldrandbewohner machte ihrem Herzen ganz ehrlich Luft. Im Biosaal des Windeck-Gymnasiums schauten nämlich an diesem Tag im Biokurs bei Barbara Becker zwei Wölfe mit ihren Jungen vorbei. Glücklicherweise waren die Tiere aus Pappe und sicher begleitet von Martin Hauser, dem Wildtierbeauftragten des Landkreises Rastatt. Schnell teilten sich im Kurs nach Interessenlage die Meinungen: Je nachdem ob man zu den „Naturschützern“, den „Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten“, den Touristen, Jägern oder eben den Waldrandbewohnern gehörte stellten sich die Einschätzungen zur Rückkehr des Wolfes in Baden-Württemberg sehr unterschiedlich dar. Es zeigte sich schnell, dass ein 19 köpfiger Biokurs in einer solchen Frage ein Spiegel der umgebenden Gesellschaft ist. Mit großer Offenheit und noch mehr Sachkenntnis ging Hauser allen Fragen und Ängsten nach. „Was war da los in Wildbad? So viele tote Schafe – dieser Wolf ist doch verhaltensgestört.“ Das Gegenteil ist der Fall: Manche Beutegreifer arbeiten bei der Jagd ein regelrechtes Verhaltensprogramm ab, bei dem eine Phase erst dann folgen kann, wenn die andere beendet ist. Und bei einem derartigen „Surplus killing“ findet der Angreifer nicht aus dem Jagd- und Tötungsverhalten heraus, weil es immer neu angeregt wird. „Dasselbe macht ein Fuchs im Hühnerstall“ erläuterte der erfahrene Förster und Jäger Hauser. „Klar, in der Natur würden die anderen Tiere weglaufen, aber genau das können sie ja wegen des Zaunes nicht!“ Luca hat das Problem klar erkannt und fragte sich jetzt: „Wie kann man das verhindern?“ Hauser beschrieb ausführlich die nun absolut notwendige Ausstattung mit wolfsicheren Zäunen: „Wir dürfen einem Wolf keinesfalls beibringen, dass er hier leichte Beute findet.“ Und dass dies eine große (und teure!) Umstellung für alle Halter von Weidetieren darstellt verstand der Kurs sofort. „Wie ist das mit Hunden? Da gibt´s doch so spezielle Rassen - oder?“ Einzelne hatten natürlich schon von Herdenschutzhunden gehört und wussten, dass diese Tiere in manchen Ländern Europas schon immer in der Schaf- und Ziegenhaltung Standard waren: „Da kann und sollte man von Rumänien lernen!“ Hauser stimmte klar zu, wies aber auch darauf hin, dass die Haltung und Abrichtung dieser Tiere nicht einfach sind und sich erst ab einer gewissen Herdengröße lohnen. „ Gut – wir müssen uns umstellen, ganz klar. Aber das können wir auch – ich finde es gut, dass der Wolf zu uns zurückkehrt, er gehört in unseren Wäldern dazu!“ Sarah ist sich da ganz sicher. Und ihre Meinung teilten bei der Abstimmung am Schluss fast 90% des Kurses – auch wenn der Wolf in den gängigen Märchen und Sprichworten eher der Übeltäter schlechthin ist. Allerdings sagt man in Russland: „Wo der Wolf jagt wächst der Wald!“ Und das gefällt auch den Waldrandbewohnern wie Jessica.

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